Nie wieder Krieg, nie wieder Nationalsozialismus!

Geschichte

„Für mich war die SED-Herrschaft die Fortsetzung der Nazi-Herrschaft,“ sagt Günter van Deel, „und die haben mir meine Jugend gestohlen, so etwas soll niemanden mehr passieren, deshalb bin ich in die SPD“.

Nie wieder Krieg, nie wieder Nationalsozialismus!

„Für mich war die SED-Herrschaft die Fortsetzung der Nazi-Herrschaft,“ sagt Günter van Deel, „und die haben mir meine Jugend gestohlen, so etwas soll niemanden mehr passieren, deshalb bin ich in die SPD“.
Günter van Deel ist Sozialdemokrat in dritter Generation, doch so selbstverständlich war diese Fortsetzung nicht, den Günter ist Ende des Jahres 1955 in Oberschöneweide, Ostberlin in die SPD eingetreten. Politische Arbeit war zu diesem Zeitpunkt für die SPD, auch wenn sie nicht verboten war, nur noch im Verborgenen – oder in Westberlin möglich.
Günter van Deel wurde 1927 als Sohn eines Neuköllner Straßenbahnfahrers und Sozialdemokraten geboren. 1928 zog die Familie nach OSW in die Bismarckstraße (heute Kilianistrasse). Der Vater hatte im Straßenbahndepot Nalepastrasse Arbeit bekommen und die Familie wohnte in einem neu gebauten Haus ein Jahr mietfrei – ‚trocken wohnen’ nannte man das. Günter hatte zwei Brüder und eine Schwester, die in Dresden lebt und auch Genossin ist. 1943 wurde Günter zum RAD und 1944 zur Wehrmacht gezogen. Zuletzt nahm er an den Abwehrkämpfen der Armee Wenck teil. Von 1945 bis 1949 war er dann in Kriegsgefangenschaft in Polen. Erst nach einem „Entnazifizierungslehrgang“ in Warschau durfte er wieder nach Hause.
Vieles war inzwischen geschehen. Der Vater war im Krieg geblieben, die SPD in der Zone war in die SED aufgegangen und sein Berlin war geteilt.
Doch schnell stellte sich auch Positives ein. Noch im Jahr seiner Rückkehr lernte er die Frau kennen, die er 1950 heiratete. Sie trat später, 1959 in die Partei ein, verstarb allerdings bereits 1990, kurz nach der Wende.
Die Unzufriedenheit mit der politischen Situation blieb jedoch. Zur SPD fand Günter durch seinen Nachbarn Peter Hennig, der bereits Genosse war, und durch die Stasi. Als Günter am 17.06.1953 als Lagerleiter des HO-Gaststättenkomplettausstattungslagers in OSW sein Lager schloss, um demonstrieren zu gehen, bekam er postwendend Besuch von den Herren in den Lederjacken: “wie könnt ihr nur streiken, wenn unsere Gaststätten Stühle brauchen...“. Günters Antwort: „ist doch selbstverständlich, dass wir streiken, das mit den Stühlen interessiert mich nicht“. Weitere Strafen blieben aus, doch Günters Entschluss stand fest. 1954 trat er in die AWO ein, 1955 dann in die SPD und dort blieb er bis heute, auch wenn er Ossi war. Bedauern tut er, dass er kein Foto von der Überreichung seine Urkunde zum 50. Parteijubiläum, durch Walter Momper hat.
Die Arbeit der SPD in Ostberlin war zur Zeit seines Eintritts in Ostberlin schon kaum noch möglich. Die Abteilung OSW – damals immerhin noch ca. 50 Mitglieder – traf sich in wechselnden Kneipen. Das Peter Hennig als Elektromonteur viel herum kam, war dabei sehr nützlich und als das nichts mehr half, traf man sich abwechselnd im Keller von Peter oder Günter. Dafür hatten sie dann auch eine Polizeistreifendichte in ihrer Straße, wie heute nur noch vor Bundesministerien. Die intensivste Parteiarbeit fand in den Wahlkämpfen in Westberlin statt. Dafür wurden die Genossen aus OSW dann auch von Willy nach seiner Wahl zum Bürgermeister ins Palais am Funkturm – zum schick Essen – eingeladen.
Nach dem 13.08.1961 war dann auch das nicht mehr möglich. Günter, der gelernter Maler war, musste den Giebel des Hauses in der Rudower Strasse an dem stand „AWO und SPD-Kreisbüro Köpenick“ überpinseln. Für einen treuen Genossen eine bittere Erfahrung. Noch bitterer war aber das Gefühl des „im Stich gelassen“ worden zu sein, nach der „Entlassung aus der Mitgliedschaft“ durch die Parteizentrale in der Müllerstraße. Doch die Abteilung OSW blieb bestehen. Treue Genossen, wie Horst Nickel, Erich Grahl, Gertrud Spethmann und ihr Ehemann und Arne Backhaus trafen sich einmal im Monat im „Freundeskreis“ oder gingen gemeinsam wandern. Es kamen sogar noch weitere Freunde hinzu, wie z. B. Dorothea Plukkel und Alfred Jung, denen leider kein Parteibuch mehr überreicht werden konnte. Rentner der Abteilung brachten heimlich Parteipresse aus der Müllerstraße mit und zu Weihnachten kamen Päckchen vom Partnerkreis Charlottenburg. So hielt die langsam schrumpfende Abteilung bis zur Wende durch.
Günter fuhr dann höchst persönlich in die Müllerstraße, legte sein altes Parteibuch auf den Tisch und forderte die Reaktivierung. Marken hatte er bis 1961 geklebt – schließlich war er ja auch von 1956 bis 1961 Abteilungskassierer. Und er bekam sie und ist deshalb als Ossi – seit 2005 – Goldenes Parteimitglied. Für viele jüngere Genossen immer noch absolut überraschend.

 
 

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