20 Jahre Einheit in Freiheit – auch für SPD-OSW ein Jahr der Jubiläen

Geschichte

Das Jahr 2010 ist auch für die SPD Oberschöneweide ein Jahr der Jubiläen. Mit Thea Plukkel, Erich Grahl und Wolfgang Thurner feierten in diesem Jahr gleich drei Sozialdemokrat/innen ein rundes Parteijubiläum.

Während Wolfgang Thurner seit 25 Jahren aktives Mitglied der Partei ist, sind Thea Plukkel und Erich Grahl schon einige Jahrzehnte länger politisch engagiert.

Beide wurden bereits kurz nach Ende des 2. Weltkrieges Mitglied der SPD und politisch aktiv. Aus Anlass seines 60.Jahrestages als Mitglied der ältesten Partei Deutschlands hat Kai Gudra mit Thea und Erich ein Gespräch über die Geschichte in und mit der SPD geführt:

Darin erläuterten beide die Schwierigkeiten nach der Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED nach 1946. Was viele heute nicht mehr wissen: die SPD und auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) waren noch bis zum Jahr 1961 in Berlin aktiv und engagiert.

Allerdings unter Bedingungen, die wir uns in unserer heutigen freiheitlich, demokratischen Verfassung nicht mehr vorstellen können und wollen.

So mussten die Parteisitzungen im damaligen Polizeirevier 242 angemeldet werden: Gäste waren bei den Veranstaltungen nicht erlaubt. Um dies sicherzustellen machte die Polizei am Eingang regelmäßige Personalausweiskontrollen.

Unterstützung erfuhren die Genossinnen und Genossen damals durch Patentschaften mit SPD-Ortsvereinen aus den anderen Bundesländern. Im Fall von Erich Grahl war das eine Patenfamilie aus Lippinghausen in Westfalen. Neuigkeiten, Ratschläge und politische Anregungen wurden rege von Ost nach West und umgekehrt ausgetauscht.

Die politische Willkür in der DDR machte jedoch auch vor dem Postgeheimnis nicht halt – dies wurde Erich Grahl Anfang der 1970er-Jahre zum Verhängnis, da einer der Briefe nach Westfalen von der Staatssicherheit abgefangen wurde. Inhalt des Schreibens und zugleich Hauptanklagepunkt im anschließenden Verfahren gegen Erich Grahl war der Verweis auf die ungenügende Versorgungssituation mit Südfrüchten (Apfelsinen) in Berlin. Das reichte der Staatsmacht um Erich 1972 wegen „Nachrichtenübermittlung an Personen, Gruppen und Organisationen, die einen Kampf gegen die DDR führen“ zu 30 Monaten Haft ohne Bewährung zu verurteilen.

Erich verbrachte einen Teil der Haft im Gefängnis in Cottbus und im Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Sämtliche Konten, Sparbücher und Wertsachen wurden gesperrt bzw. konfisziert und erst nach der Haftentlassung wieder herausgegeben.

Diese harten Erfahrungen eines politischen Häftlings in einem diktatorischen Regime haben Erich Grahl geprägt und lassen das große Wort Freiheit in einem ganz besonderen Licht leuchten.

Um das Morgen verantwortungsvoll gestalten zu können, muss man regelmäßig an das Gestern erinnern. Erich hat deshalb für die NutzerInnen und Gäste der AnsprechBar Bücher und Broschüren des Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR zur Verfügung gestellt.